Eine Grenze vor dem Ziel – Tag 15

Der vorletzte Tag des Baltic Sea Circle lässt sich an, wie es sich für ein Rennen um die Ostsee gehört: Mit einem Bad im Meer. Hier kurz vor Kaliningrad, fast schon auf der Höhe von Rom, hat das Wasser das erste Mal seit Landön – eine in weiter Ferne verblassende Erinnerung – wieder eine Temperatur, die vor Freude glucksen statt vor Schmerz schreien lässt. Wir machen Badehosen-Beweisfotos, bis die anderen Paarautos der letzten Nacht denken, wir seien auch eins. Und verziehen uns mit Rücksicht auf die russische Gesetzeslage anschließend schnell vom Strand. 

Die Straße nach – ein Mal sagen wir’s für Reaktionäre – Königsberg signalisiert Reichtum. Fett ausgebaut. Große Straßenleuchterlüster alle 50 Meter. Jeweils mit Stadtwappen oben drauf. Macht richtig was her.
Derart vorgespannt schlaffen wir nach Überqueren der Stadtgrenze erstmal ordentlich ab. Für die Straße hat das Geld gereicht, für die Stadt aber offensichtlich nicht. Kaliningrad grüßt mit drei Farben Beton Beton Beton.

Ein weiteres Beispiel für die wegen ‚das passt doch nicht zusammen‘ Gehirnverdrehung, die diese Stadt einem antun kann, bekommen wir beim Frühstück. Nichtsahnend lassen wir aus der Tonberieselungsanlage die neuesten Werbespots von Mediamarkt und Teppich Kibek in uns tropfen, bis wir merken, dass wir das verstehen, was da geredet wird. Sind wir jetzt etwa – wegen doppelter Einreise oder Genmaterial-Vermengung nach Schlaglochoverload – Russen? Nein, nur beim Königsbäcker. German Style Bakery sagt die Bedienung, die kein Wort Deutsch kann. Deshalb läuft hier Radio ffn. Klar.

Weil zwei Fäuste das gerne wollen, gehen wir anschließend durch die Stadt. Weil zwei andere Fäuste das eigentlich nicht so gerne wollen, ist es ganz gut, dass wir nach ein wenig Beton, Beton, Asphalt und Beton am Zoo vorbeikommen.
Nicht wegen der Tiere. Sondern weil da eine Brillenverkäuferin steht und Brillenauslagen bekanntlich jede Mattheit vertreibende Energiespeicher sind. Besonders, wenn man vielleicht ein Schnäppchen…? Sören macht das Schnäppchen seines Lebens. Für nur rund 8,50 Euro ersteht er eine Original Ray Ban, die dazu noch fast so aussieht, wie das Modell, dass David Mann in Duell trug. Diese zwei Fäuste können vor Coolness kaum laufen. Bis sie bei einem erneuten Blick auf die Brille merken, dass sie statt einer Ray Ban leider doch nur eine Ray San erstanden haben.

Kaliningrad hat dann noch einen sehr schönen Kosmonauten zu bieten. Und so Gehirnverdreher-Architektur, die zwischen all dem Beton hier und da einen mondänen Kurort mit Park- und Lustwandelanlagen aus der Vergangenheit durchscheinen lässt. Aber wen interessiert das schon? Sören ist nur dadurch aufzuheitern, dass in der Stadt auch andere Menschen ihre Sonnenbrillenmarken anscheinend nicht buchstabieren können und er – zumindest hier – nicht alleine ist; im Ray San Coolness Club.

Arne hingegen ist wenig später durch gar nichts mehr aufzuheitern. Weil wir uns vor der Heimkehr nochmal waschen wollen, bucht er in der letzten Station Kolberg von unterwegs eine Unterkunft. Bei booking.com als Smart Deal beworben, sichert er uns ein Appartement mit Bett und Balkon und Fernseher und Dusche und Whirlpool und Garage und Alles. Für so gut wie nix.
Bis in der Buchungsbestätigung eine während der Buchung und in der Beschreibung nicht erwähnte Servicepauschale des Vermieters auftaucht und den Preis annähernd verdoppelt. Aus nicht aufzuheitern wird so’n Hals, als Arne der örtlichen booking-Vertreterin telefonisch zu erklären versucht, dass das vielleicht nicht die beste … Weiter kommt er nicht, bevor ihm die Dame energisch, ohne Duldung von Widerworten und dem Dauerfeuer aus dem Hörer nach zu urteilen auch ohne zwischendurch Luft zu holen erklärt, was für ein Vollpfosten er sei. (Man versteht das mit dem Vollpfosten ganz gut. Denn wie Google Translate bestätigt, heißt Vollpfosten auf Polnisch wie auf erstaunlich vielen anderen Sprachen einfach auch: Vollpfosten.) Schließlich hätte er das mit der Pauschale durch sechs Mal extra tippen, das Telefon verkehrt rum halten und dabei über das Display lecken auch vor der Buchung herausfinden können. Bisschen anstrengen muss man sich schon, für so’n Smart Deal.

Zwischendurch, davor und danach reisen wir aus Russland wieder in die EU ein, beobachten polnisch russischen Tanktourismus mit Autohebevorrichtungen, stellen fest, dass die Polen wirklich die besten Baumeister Europas sind, aber die Lust am beste Baumeister sein nach drei mal vier Straßen in Danzig hübsch machen für das ganze restliche Land verloren haben.

Dafür scheint die Sonne in Polen sehr hübsch über die Felder. Kurz vor Ende der Runde um die Ostsee ist tatsächlich noch ein Mal kurz Sommer. Bis kurz vor Kolberg die Sintflut kommt. Mit Macht und Blitz und Donner alle Hoffnungen auf ein abendliches Ostseebad zunichtemacht. Und uns froh, für die Nacht ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Auch als Vollpfosten.

Teamstatus: Alles muss raus. Vor allem das Geld.
Sören fühlt sich kurz, als hätte er ein Kind. Arne benimmt sich kurz, als sei er eines.

Strecke: Zelenogradsk -> Kolobrzeg
Wetter: Hitzewelle bis zur Sintflut.
Wagen: Was schon? Läuft.

(Dieser lang geheim gehaltene Text erschien zuerst auf der 4 Fäuste für einen V8 nach-Rallye-Feier.)

 

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